Degrow Design

Ernährung – Fallstudie Familie

Lena Vogel

Ein Hoch auf Omas Einkochkünste!

Dieser Text ist teilweise eine überspitze Darstellung und basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Ich würde schon sagen, dass ich vom Bauernhof komme und zumindest ein paar, wenn auch nur wenige Jahre, auf einem aufgewachsen bin. Meine Großeltern, väterlicherseits, kommen aus dem landwirtschaftlichen Sektor – hatten früher eigene Felder, bis diese in den LPGs zusammengefasst wurden, wo mein Opa schließlich auch arbeitete, während meine Oma zumindest Buchhalterin in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betrieben war. Immer hatten sie ihre eigenen Tiere, ihre eigenen Beete und ihre eigenen Obstbäume und -sträucher. Auch heute noch.
In ihrem Garten bauen sie alles an, was sie können. Und obwohl sie eigentlich langsam anfangen wollten, die ganzen Sachen zu reduzieren wachsen Beet und Gewächshaus doch jährlich ein kleines Stückchen. Auf dem Hof leben Kühe, ein großer Haufen Hühner, Enten und Kaninchen. Alles Tiere, die vor allem in klein zuckersüß und zum knuddeln sind. Doch dafür werden sie nicht gehalten, sondern zum Schlachten und Essen. Und für mich ist das auch völlig normal. Es gehört dazu und solange ich weiß, wo das Fleisch herkommt, was ich esse und wie die Tiere aufgewachsen sind, habe ich auch überhaupt kein Problem damit, sie zu verspeisen. (Aber das ist nur meine persönliche Ansicht und auch kein Thema, um das es jetzt hier konkret gehen soll.)
Eingekauft wird nur das Nötigste, alles, was der Garten eben nicht hergibt, und eigentlich könnten meine Großeltern, zumindest im Sommer, komplett selbstversorgt leben. Generell gilt hier auch die Devise, nichts umkommen zu lassen. Also alles bis zum kleinsten Rest zu verwerten. Und was der Mensch nicht mehr verarbeiten kann, bekommen danach immer noch die Tiere oder in kompostierter Form das Beet zurück. Eigentlich eine runde Sache. Und wenn es generell zu viel von Etwas gibt, wird es haltbar gemacht und eingelagert. Der Großteil vom Obst zum Beispiel, wird eingekocht und verschwindet im Keller. Letztens erst habe ich ganz hinten noch ein Glas Kirschen aus meinem Geburtsjahr gefunden welche, für mich verwunderlicherweise, noch wie die zwei Jahre alten, geschmeckt haben. Ein Hoch auf Omas Einkochkünste!
Und das alles ist gar nicht so kompliziert und aufwendig, wie man sich das vorstellt. Beide haben in Vollzeit gearbeitet, haben zwei Kinder großgezogen und den Bauernhof noch nebenbei bewirtschaftet. Ich will damit keineswegs sagen, dass es ein reines Zuckerschlecken war und jeder es ihnen gleichtun sollte und damit dann alles gut wäre.

Aber es gibt da ja noch die andere, komplett gegenteilige Seite.

Gestern saß ich mit meiner Oma abends am Küchentisch und wir haben die Prospekte durchgeblättert, die jedes Wochenende ins Haus flattern. Ungläubig sind wir dabei über in Scheiben geschnittene, geschälte und blanchierte Kartoffeln, in Portionsgröße eingeschweißt, gestolpert. Wenn ich so etwas mit meiner Oma anschaue, können wir darüber nur schmunzeln. Wenn ich aber dieses Prospekt mit der Frau meines Vaters angeschaut hätte, wäre das für sie normal gewesen. Genauso, wie es normal für sie ist, ein Fertiggericht warm machen kochen zu nennen.
Viele Kinder können in der heutigen Zeit (ich hasse eigentlich diesen Ausdruck) das Fleisch aus der Kühltruhe nicht mehr mit dem Tier auf der Weide in Verbindung bringen und für meine kleine Cousine könnten Kartoffeln genauso an Bäumen wachsen wie Äpfel.
Ein Großteil unserer Lebensmittel ist Massenware und wird in Großbetrieben erzeugt, die zwar sehr wirtschaftlich arbeiten aber weder wesentlich umweltbewusst noch nachhaltig sind.

Eigentlich ist dies ein riesiges Thema, welchem man generell viel mehr Zeit und eine Vielzahl mehr Seiten widmen müsste, um es ausreichend zu fassen, aber darum soll es mir hier in diesem kurzen Text gar nicht gehen. Mir stellen sich einige Fragen, die ich gerne öffnen und weitergeben möchte, sowie Erkenntnisse, welche Ansatzpunkte für neue Lösungen sein können.

Ich frage mich, was zum Teufel da passiert ist. Wie kommt dieser riesige, plötzliche Sprung, allein zwischen zwei Generationen, zustande? Klar gibt es hierfür viele Faktoren, welche dies erklären könnten, wie z.B. Globalisierung, Wirtschaftlichkeit, oder … . Aber hat man dabei aufgehört, nachzudenken und einfach immer weiter gemacht? Das laufende System nicht weiter überdacht, weil es gerade ganz gut funktioniert hat?
Langsam kommt nun die Erkenntnis. Immer mehr Leute achten wieder auf ihre Ernährung, kaufen Bio oder sogar auf dem Markt, haben ihre eigenen Kräuterpflanzen im Küchenfenster stehen.

Doch haben wir generell den Bezug zu unserer Ernährung verloren.

Aber was hat das Ganze jetzt mit Degrowth und Design zu tun?

Unsere ganze Ernährungsbranche hat sich in eine Richtung entwickelt, in der es so nicht mehr lange weiter gehen kann. Riesige Industrien sind entstanden, aber langsam, nein eigentlich sogar ziemlich schnell, müssen wir anfangen das Ganze im Sinne des Degrowth zu gestalten. Und da sind kreative Lösungen gefragt! Denn es geht nicht darum, dass jetzt jeder nur noch Lebensmittel mit Bio-Siegel kauft, noch darum, dass jeder wieder seinen eigenen Hof hat und nach der Arbeit auf dem eigenen Beet ackert.
Es geht darum, nicht einfach nur zu essen, sondern darüber nachzudenken, was man isst und ob dies gut ist für sich selbst, aber auch für unsere Umwelt. Das Angebot eben nicht einfach nur als gegeben hinzunehmen, sondern eben diese Gegebenheiten zu hinterfragen. Es geht vor allem um unser Verhältnis zu den Lebensmitteln und zu unserer Ernährung. Um ein gesundes Gleichgewicht.