Degrow Design

Degrow Laws? – Was Gesetze zu Degrow beitragen

Lara Weller

Auf lange Sicht setzen nicht wir die Grenzen, sondern die Endlichkeit der Ressourcen. Grenzenloses Wachstum ist dabei nicht möglich. Wir benötigen einen Verhaltenswandel, der baldmöglichst herbeigeführt werden muss. Eine Möglichkeit diesen Wandel herbeizuführen, ist, dass die Regierung mehr Gesetze dafür schafft. Die Wirtschaft muss sich im gleichen Maße parallel verändern, wie der Konsum unserer Gesellschaft. Dafür muss sich auch die Gestaltung verändern, die Ansprüche an die Produkt-Gestaltung und Kommunikation müssen neu gedacht werden. Gesetzesbeschlüsse und Normen beeinflussen bereits die Gestaltung. Sicherheitsvorschriften und Regelungen zum Schutz des Menschen sind dabei unumstritten. Gesetze zum Schutz der Umwelt werden aktuell vermehrt auf den Weg gebracht. Wie sinnvoll und nachhaltig sind solche Gesetze?

Was macht die Welt?

Mit den 17 Nachhaltigkeitszielen, den Sustainable Development Goals (SDGs) hat sich die Weltgemeinschaft auf feste Zeitziele geeinigt. Bis 2030 soll auf diesen universalen und alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen (Ökologie, Soziales und Wirtschaft) einschließenden Katalog hingearbeitet werden. Dazu gehören Ziele wie „kein Hunger, Maßnahmen zum Klimaschutz, verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster, (…)“ (bmu, 2018)

Was macht die EU?

Die EU beschließt immer mehr Regelungen und Anforderungen im Bereich des Ökodesigns. Leichtere Reparaturen, längere Nutzbarkeit und einfacheres Recycling sind die Themen. (OHN, 2019) Damit sollen Ressourcen geschont werden, Geräte sollen effizienter werden, aber auch verbraucherfreundlicher. Solche Regelungen können zum Degrowth beitragen und haben Einfluss auf die Gestaltung der Produkte. In einer Postwachstumsgesellschaft können wir nicht auf eine Wegwerfmentalität bauen, sondern müssen unsere Ressourcen nachhaltig nutzen. Um das zu erreichen, können Gesetze eine Möglichkeit sein. Dadurch wird nicht nur erzwungen, dass sich die Gestaltung verändert, sondern auch das Verhalten der Nutzer°innen und der Hersteller°innen.
Anfang 2019 wurden die EU-Regelungen weiter erarbeitet. Zu den Vorschlägen gehört, dass LED-Leuchtmittel nicht mehr fest verbaut werden dürfen. Bisher ist der Austausch entweder gar nicht möglich oder mit einer teuren Reparatur verbunden. Durch die neue Regelung, sollen nicht nur energiesparende LEDs verbaut werden, sondern diese auch einfach ausgetauscht werden können, um weniger Abfall zu produzieren. Ab 2021 soll die Reparaturfähigkeit von elektrischen und elektronischen Geräten verpflichtend sein und es soll ein Recht auf bestimmte Ersatzteile geben. (OHN, 2019)
Hersteller°innen sollen dazu verpflichtet werden, Ersatzteile für sieben bis zehn Jahre nach dem Verkauf anzubieten. (OHN, 2019)
Die Geräte müssen mit „allgemein erhältlichen Werkzeugen ausgetauscht werden können, ohne dass das betreffende Gerät dauerhaft beschädigt wird.“ Damit soll gegen geplante Obsoleszenz vorgegangen und Stromfresser erkennbar gemacht werden. (n-tv, 2019)
2021 soll außerdem ein Energieeffizienzlabel eingeführt werden, das Informationen zu Strombedarf, aber auch Wasserverbrauch bei Waschmaschinen, gibt. Durch eine umfassende Registrierung der Produkt-Kategorien, dazu gehören Geschirrspüler, Waschmaschinen, Waschtrockner, Kühlschränke, Lampen und elektronische Displays, sollen die Informationen gesammelt und abrufbar gemacht werden. Es soll eine Neuskalierung geben, um die Skala an die heutige Technologie anzupassen. Dadurch sollen Kaufentscheidungen auf Grundlage der Energieeffizienz beeinflusst werden. (OHN, 2019)

Was machen andere Länder?

Andere Länder, wie Frankreich, haben es uns bereits vorgemacht, dort wurde der Verbraucherschutz verstärkt und das Wettbewerbsrecht reformiert. Diese Gesetze greifen erheblich in die Geschäftsbeziehungen ein und sollen auch die Umwelt durch einen bewussteren Konsum schützen. Neben verbotenen Plastiktüten und Einweggeschirr ist auch ein Gesetz schon weiter, dass die Retouren-Vernichtung verbieten soll. So sollen 2025 alle Plastikprodukte recycelt, Bauteile gekennzeichnet und Ersatzteile bereitgestellt werden. Verstöße werden mit hohen Geldbeträgen bestraft. (OHN, 2019)

Was macht Deutschland?

Das Umweltbundesamt arbeitet auf eine Kreislaufwirtschaft hin, in der wir Ressourcen nicht verbrauchen, sondern nutzen. Dazu gehört nachwachsende Rohstoffe nachhaltig zu nutzen und auf die Grenzen der Erde zu achten. Auf der Seite der Bundesregierung werden diese Ziele klar formuliert und dargestellt. (Bundesregierung, 2019) Plastikprodukte und vor allem Einwegprodukte werden derzeit häufig diskutiert. Interessant bei diesem Thema ist der Umgang mit solchen Regelungen. Seit die Plastiktüte (allerdings nur Plastiktüten mit einer bestimmten Wandstärke) etwas kostet ist zwar der Verbrauch zurück gegangen und die Statistiken zeigen gute Ergebnisse, allerdings werden dabei keine Tüten aufgeführt, die zum Beispiel in der Obst- und Gemüseabteilung ausliegen und dickere Tüten, welche als Mehrwegtasche gelten. Wie oft solche Tüten aber wiederverwendet werden, wird nicht erhoben und damit wäre die Umweltbilanz eine schlechtere, als bei einer dünneren Tüte. Dasselbe gilt für eine Papiertüte, die einen höheren Energieaufwand bei der Herstellung erfordert. (Umwelt Bundesamt, 2019) Nun soll die Plastiktüte verboten werden, obwohl Händler°innen die meisten Tüten nur noch für Geld ausgeben und der Verbrauch schon stark gesunken ist. Im Schnitt wurden durch diese Änderung und die Aufklärung nur noch 20 Standardtüten pro Person im Jahr 2018 verbraucht. 2015 waren es mehr als dreimal so viele. (Welt, 2019)
Seit Februar 2020 wurde ein neuer Gesetzesentwurf des Bundesumweltamts auf den Weg gebracht. Die „Obhutspflicht“ soll die Vernichtung von Retouren und Warenüberhängen minimieren. Außerdem darf funktionierende Ware, zum Beispiel von Retouren, nicht mehr vernichtet werden. Diese Gesetze sollen zu einer Kreislaufwirtschaft beitragen. Händler°innen und Hersteller°innen sollen mehr in die Verantwortung genommen werden und sich auch an Reinigungskosten von Parks und Straßen beteiligen, wenn sie zum Beispiel Einwegprodukte wie To-Go-Becher oder Zigaretten verkaufen. Dadurch soll die Nachfrage nach recyceltem Material erhöht werden. Eine Transparenzverordnung soll Hersteller°innen und Händler°innen dazu verpflichten, deutlich nachvollziehbar zu dokumentieren, was mit der nicht verkauften Ware passiert. (bmu, 2020)

Was macht der°die Einzelne°r?

Letztendlich muss sich das Konsumverhalten von jeder und jedem Einzelnen verändern, aber eben auch das der Hersteller°innen und Händler°innen. Dieses Verhalten kann unterschiedlich beeinflusst werden, zum einen unterbewusst durch gezielte Werbung und Vorbilder oder auch sehr offensiv durch Gesetze. Das Verhalten nachhaltig zu verändern ist schwierig, wenn man sich dabei in einem Wirtschaftssystem befindet, das auf Wachstum und Profit aus ist. Das Modell der „Tragik der Allmende“ zeigt das Problem. Der freie und uneingeschränkte Zugang zum Allgemeingut führt zum Ruin aller, so Garrett Hardin 1968. Die freie Entscheidung, welches Auto ich kaufe und wie ich meinen Urlaub gestalte, scheint zur persönlichen Freiheit zu gehören und zeitgleich unsere Umwelt zu belasten. Die Aufgabe ist uralt, die persönlichen Freiheiten gegen das Allgemeinwohl abzuwägen, daraus haben sich Regierungsmechanismen entwickelt. (11) Was zur Diskussion steht, ist die Frage nach einer Lösung des Problems und, ob sich diese in Gesetze und Regelungen verbirgt. Sind wir bereit uns etwas verbieten zu lassen zu Gunsten der Umwelt?

Was macht das aus?

Die Komplexität ist nicht zu unterschätzen. Es könnte noch viel mehr versteuert werden, um den Schaden an der Natur vom Verursacher zahlen zu lassen. Außerdem könnten ineffiziente Produkte verboten und radikal die Plastikverpackung aus dem Handel genommen werden. Also Gesetze und Verbote, die die Freiheit des Menschen einschränken, aber die Ausbeutung der Erde reduziert; damit die Natur Sozialgesetze bekommt.
Gegen die Regelungen der EU spricht aber zum Beispiel, dass so lange unser Wirtschaftssystem eine Profitmaximierung anstrebt und es auch für die Regierung um eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geht, solang wird ausgerechnet, was sich finanziell mehr lohnt. Die Strafen und Sanktionen oder die Bereitstellung der Ersatzteile, die recyclebare Variante oder eine günstigere Produktion mit langen Transportwegen. Dabei wird nicht bedacht, was umweltverträglicher ist oder zu den Zielen der 2030-Agenda beiträgt, sondern die Wirtschaftlichkeit beeinflusst die Entscheidungen. Solange wird auch nach Auswegen gesucht, das Verbot zu umgehen, und nach Rechtfertigungen, warum die Regelung nicht eingehalten werden kann. Ziele, wie die 2030-Agenda sind zwar sinnvoll und erstrebenswert, bleiben aber Ziele, die man womöglich verfehlt. Die Agenda liest sich wie eine Utopie, voll mit guten Vorsätzen. Und betrachtet man die Langwierigkeit der Entwürfe bis zum tatsächlichen Beschluss, ist das Ziel in 10 Jahren scheinbar schwer zu erreichen.
Unsere Gesellschaft muss sich verändern, zu einer Gesellschaft, in der alle Menschen die Chance haben vollwertig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ohne dafür Prestigeobjekte anzuhäufen. Dieser gesellschaftliche Wandel muss sich auch im Regierungsmodell mit entwickeln. Es erscheint logisch, dass die Regierung ein zuverlässiges und ökologisch robustes Wirtschaftssystem unterstützend aufbaut, so Jackson in seinem Buch. (Tim Jackson, 2011, 142 ff) Politische Entscheidungen haben bereits großen Einfluss auf unser Verhalten, wie zum Beispiel durch Planungsrichtlinien für öffentliche Bereiche, Lohnpolitik, Produktnormen und Regulierung von Werbung.
Die Überwachung von Gesetzen ist wichtig, wofür Gelder benötigt werden. Die Strafen, die auch wieder Einnahmen generieren, müssen hoch genug sein, damit der Anreiz groß genug ist, sich daran zu halten. Was gegen Gesetze spricht, die von der Regierung bestimmt werden, ist, dass Regelungen umgangen werden können. Eine Berichterstattung ist besonders wichtig, damit sich Hersteller°innen an die Regelungen halten. Auch negative Publizität hat einen großen Einfluss auf Unternehmen und kann bewirken, dass die Transparenz für den Käufer erhöht wird, aber sich auch das Unternehmen ändert. Auch Sanktionen können Anreize für eine nachhaltigere Produktion und die Umstellung auf recycelte Materialien sein. Die damit verbundene Einschränkung des Handels schränkt den offenen Welthandel ein. Wichtig für eine nachhaltigere Wirtschaft ist die Verbesserung unserer Abfallverwertung. Besseres Sortieren und Recyceln der Materialien sind grundlegend für die Veränderungen.

Ein Problem sehe ich darin, dass nicht alle für die neuen Regelungen sind. Weder auf Seite der Hersteller°innen und Händler°innen, noch der Konsumierenden. Somit stehen hinter diesen Entscheidungen nicht alle, die es betrifft und es entsteht Unmut und Aufregung gegen den Beschluss. Eine solidarische Herangehensweise wäre sinnvoll, ist aber bei einer großen Bevölkerungszahl sehr schwierig. Durch Lobbyismus verliert die Regierung zusätzlich an Glaubwürdigkeit. Möglichkeiten bieten Volksentscheide und gemeinsame Beschlüsse in Gemeinden, die die Stimmen vieler aufzeigen.

Es muss abgewägt werden, welche Regelungen und Verbote sind sinnvoll und welche Siegel tragen zu einer Aufklärung bei. Welche Preiserhöhungen verändern das Verhalten und wer muss in die Verantwortung gezogen werden. Siegel wie der blaue Engel sind bereits streng von der Regierung überwacht. Unabhängig und glaubwürdig soll das Siegel umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen kennzeichnen und Orientierung beim nachhaltigen Einkauf geben. (Blauer Engel, 2020) Jetzt folgt der grüne Knopf, der ebenso unabhängig und staatlich ist und nachhaltige Textilien kennzeichnet. (Grüner Knopf, 2020) Sind solche Siegel so unabhängig, wie beworben, kann das ein großes Vertrauen herbeiführen und eine Hilfestellung im Durcheinander der Labels und Zertifikate geben.

Was macht das mit der Gestaltung?

Wichtig für eine zukunftsfähige Gestaltung sind die Merkmale der Produkte, die selbstverständlich werden müssen, wie Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und nachhaltige Nutzung und Produktion. Diese Merkmale müssen den Konsumierenden und Entwickelnden bewusst sein. Diese Merkmale werden nicht nur die Ästhetik solcher Produkte verändern, sondern auch unseren Umgang damit. Unterschieden werden muss auch, ob das Material, das verwendet wird, recyclingfähig ist oder bereits recycelt wird und auch, ob ein Materialkreislauf besteht. Ob das Material biologisch abbaubar ist und unter welchen Umständen. Doch vor jedem Recycling sollte die Abfallvermeidung das höchste Ziel sein. Denn auch eine funktionierende Kreislaufwirtschaft trägt nicht zum Degrowth bei. Wichtig ist auch, dass wir Produkte lange und intensiv nutzen und die vielen Produkte, die es schon gibt, nicht als Abfall sehen, sondern besitzen und teilen, was wir haben und die Gestaltung darauf ausgelegt ist.
Ich glaube, wir brauchen eine agilere und regionalere Vorgehensweise. Wenn Kreisläufe geschlossen nachhaltig konzipiert sind, sind sie auch regional gedacht und es können Entscheidungen schneller getroffen werden. Selbstverständlich ist ein demokratisches Mandat wichtig und die Einbringung der Bürger°innen Voraussetzung. Wenn die Gestaltung der Produkte zum Verhalten der Konsument°innen passt und die Nutzung lange und intensiv ist, entsteht ein nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen. Normen und Regelungen sind dafür wichtig und schaffen für alle Hersteller°innen und Händler°innen die gleiche Grundlage. Materialistischer Individualismus muss abnehmen, damit wichtigere Ziele für die Gemeinschaft erreicht werden können.
Womöglich ist dann 2030 alles gut.

QUELLEN Bundesministerium für Umwelt, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.bmu.de/themen/nachhaltigkeitinternationales/nachhaltige-entwicklung/2030-agenda/

Onlinehändler News, Melvin Louis Dreyer, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.onlinehaendlernews.de/e-recht/gesetze/130382-goodbye-wegwerftrend-eu-beschliesst-regelungen

N-TV, Verena Schmitt-Roschmann, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.n-tv.de/politik/EU-zwingtHersteller-zum-Verbraucherschutz-article21306958.html

Onlinehändler News, Melvin Louis Dreyer, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.onlinehaendlernews.de/e-recht/gesetze/131222-neue-energieeffizienzlabel-kommen

Onlinehändler News, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.onlinehaendler-news.de/e-commercetrends/internationales/131437-franzoesisches-gesetz-retourenvernichtung

Bundesregierung, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.bundesregierung.de/bregde/themen/nachhaltigkeitspolitik/nachhaltig-produzieren-und-konsumieren-181666

Umweltbundesamt, Zugriff, 14. Februar 2020, https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-denalltag/haushalt-wohnen/plastiktueten#hintergrund

Welt.de, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.welt.de/wirtschaft/article203071884/Plastik-Verbot-vonTueten-geht-am-Kern-des-Problems-vorbei.html

Bundesministerium für Umwelt, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.bmu.de/pressemitteilung/novelledes-kreislaufwirtschaftsgesetzes-legt-grundlagen-fuer-weniger-abfall-und-mehr-recycling/ Tim Jackson, 2011, Wohlstand ohne Wachstum, Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt, Seite 142-151

Blauer Engel, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.blauer-engel.de/de

Grüner Knopf, Zugriff 14. Februar 2020, https://www.gruener-knopf.de/index.html