Degrow Design

Designdidaktik mit Fokus auf die Rolle des Designers in der Postwachstumsgesellschaft an der Bauhaus-Universität Weimar

Joy-Fabienne Lösel

Einleitung

Im Sommer 2019 gingen allein in Deutschlands Großstätten wöchentlich Tausende Menschen auf die Straße, um für den Schutz des Klimas zu demonstrieren (Tagesschau, 2019). Es gibt öffentliche Diskussionen über drohende Ressourcenknappheit, jährlich wiederkehrende Jahrhundertstürme, Insektensterben und die Folgen des Klimawandels (Spiegel, 2020). Auch im Sommer 2019 wurde an der Bauhaus-Universität Weimar das Wort „nachhaltig“ offiziell aus dem Modulkatalog für Masterstudierende der nachhaltigen Produktkulturen, nunmehr Produktdesign Master, gestrichen (Bauhaus-Universität, 2019) und hinterlässt einen faden Beigeschmack der Ohnmacht. An einer Universität welche sich als innovativ und zukunftsweisend versteht, wirkte dieser Schritt wie eine Resignation vor der Frage, welche Verantwortung Designer°innen in unserer Gesellschaft zu Teil wird. Doch was wären die richtigen Schritte? Welche gesellschaftsrelevante Lehre findet bereits an der Bauhaus-Universität statt und welche Bedeutung hat das Thema Degrowth für angehende Designer°innen?
Es wird Bezug auf bestehende und wünschenswerte Angebote zum Thema Degrowth genommen und deren Relevanz für die Universität diskutiert. Anschließend wird das Wissenschaftsmodul „Degrow Design“, betrachtet wobei es sich um ein konkretes Beispiel für Didaktik zu Postwachstum und Design handelt. Die Relevanz von einer Designlehre, die Bezug auf die Probleme einer Wachstums- und auch Postwachstumsgesellschaft nimmt, bedingt sich sowohl durch ein, aufgrund drohender Ressourcenknappheit zur Veränderung gezwungenes Wirtschaftssystem (Claudia Kemfert, 2007), als auch die Verantwortung, welche eine Universität in der Gesellschaft trägt.

ILA-Kollektiv: Ein nachhaltiges Geschäftsmodell?

Der Zusammenhang zwischen Design und der Kapitalismus

Designer°innen formen die Gesellschaft maßgeblich (Anne Haeming, 2019). Die meisten Menschen der westlichen Welt haben eine Erwartung an ein gutes und erfolgreiches Leben. Sie wollen viel Geld verdienen, welches sie dann in viele Dinge Investieren können, von welchen sie erwarten, diese würden ihre Zufriedenheit und/Lebensqualität steigern (Horst W. Opaschowski, 2001). Diese Erwartungshaltung wird durch den Kapitalismus gestützt und gefüttert und ist ein in sich funktionales System, welches sich scheinbar unendlicher Ressourcen bedienen kann und eine ständige Bedürfnisproduktion bei Verbrauchern schürt, um sich selbst zu befeuern (I.L.A. Kollektiv. 2016). Damit entsteht ein nicht geschlossener Kreislauf (siehe Abbildung 1), Ressourcen werden nicht im ausreichenden Maße zurück in den Kreislauf gegeben. Dieses Modell schadet nicht nur der Umwelt und den Menschen im globalen Süden, die bereits jetzt von den Auswirkungen der Klimaerwärmung betroffen sind, sondern werden auch die Industrienationen nicht verschonen (Frederic Rudolph, 2013). Designer°innen entwerfen Wohnräume, Autos, Unterwäsche, eben jene Produkte des Kapitalismus und entsprechende Werbemaßnamen, welche Unzufriedenheit und darauffolgend ein Bedürfnis nach Konsum in der Gesellschaft wecken. Dieses Phänomen wird von Robert Misik (2015) als Lifestyle-Kapitalismus bezeichnet und prägt bereits Generationen von Konsumenten und damit auch Designer°innen, welche diesen Konsum gestalten. Das Problem daran ist, dass dieses System auf lange Sicht nicht weiter bestehen kann. Weshalb sich gerade Designer°innen der Frage, welchen Einfluss ihr Handeln, ihre Entwürfe und gewählten Werkstoffe auf Umwelt und Gesellschaft haben, nicht entziehen sollten.

Die Rolle von Designer°innen im Postwachstum

Die Entwicklung in den Lifestyle-Kapitalismus und die damit einhergehende Rolle von Designer°innen müsste allerdings nicht bedeuten, dass in einem anderen, einem Postwachstumsmodell, alle Designer°innen arbeitslos werden würden. Doch müssen sich angehende Designer°innen anderen Fragen stellen, als noch ihre Vorgänger°innen.
Konventionelle Produktionsmittel müssen überdacht und werden, denn in vielen Teilen der Produktion droht keine Ressourcenknappheit, sondern existiert diese bereits (United Nations Environment Programme, 2009).
Das Wissen über die Folgen des ungebremsten Wachstums, wie auch die Alternativen sind ebenso wertvolle Ressourcen wie die Rohstoffe selbst, weshalb es umso wichtiger ist, es zu fördern.

Designdidaktik mit Fokus auf Postwachstum

Wieso es Lehre zu Degrowth an der Bauhaus-Universität Weimar geben sollte Universitäten tragen eine gesellschaftliche Verantwortung (Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung e.V., 2013). Ob dieser Verantwortung genüge getan wird, ist häufig Auslegungssache, doch betrachtet man die Gründungsrede der Fakultät Kunst und Gestaltung von Lucius Burkhard (1993) wird deutlich, dass dieser Punkt an der Bauhaus-Universität Weimar nicht erreicht werden kann.

„Was kann man denn vom Bauhaus lernen? – Die Antwort, die wir uns nicht leichtfertig gegeben, sondern erarbeitet haben, lautet: Vom Bauhaus kann man lernen, daß man in der jeweils gegebenen Situation, also heute, innovativ sein muß! Vom Bauhaus lernen heißt also gerade nicht, das Bauhaus wiederholen. Lernen vom Bauhaus heißt vielmehr, darüber nachdenken, was heute not tut, genau so, wie die Leute vom Bauhaus darüber nachgedacht hatten, was denn vor siebzig Jahren an Neuerungen fällig war.“

Auch jetzt muss sich die Universität wieder der Frage aussetzten, was heute Not tut, um weiterhin innovativ sein zu können.

Die folgende Auseinandersetzung stellt die gestalterischen Studiengänge der Bauhaus-Universität Weimar in den Fokus, zu welchen auch Studiengänge der Architektur und Urbanistik sowie der Medien gezählt werden, um den Zusammenhang von Degrow im Design in der Designlehre zu begründen.

Angebote an der in den gestalterischen Studiengängen an der Bauhaus-Universität

Unterstützende Strukturen

Inter- und transdisziplinäres Arbeiten und Forschen werden im Studien- und Entwicklungsplan 2025 (2019) fokussiert. Dies bildet ideale Grundvoraussetzungen für eine Lehre mit Blick auf die sich verändernde Wirtschaft hin zum Postwachstum, da damit einhergehendes bündeln von Wissen und Können eines der Grundprinzipien der Degrow-Bewegung darstellen (I.L.A. Kollektiv, 2019). Dies ermöglicht Studierenden und Lehrenden eine ganzheitliche Herangehensweise an bestehende Probleme um umfassende, systematische Lösungen anbieten zu können. Besonders wertvoll erscheint in diesem Zusammenhang das Projektstudium, welches es ermöglicht, Forschungsergebnisse direkt anzuwenden und so erlebbar und greifbar zu machen. Die Themen, mit welchen es sich auseinander zu setzen gilt, wurden im Studienentwicklungsplan 2025 (2019) für fünf Jahre richtungsweisend profiliert.

„Dem Staatlichen Bauhaus ging es um die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, kulturellen und technischen Herausforderungen der Moderne sowie um die sittliche Erneuerung von Mensch und Gesellschaft. Dabei setzte sich das Bauhaus über die herrschenden Konventionen in Lehre, Theorie und Praxis hinweg. [...]Die Bauhaus Universität Weimar schließt in ihrem Selbstverständnis und ihrer Arbeit daran an.“(Bauhaus-Universität Weimar, 2019)

Die Verantwortung, welcher sich die Universität in der Gesellschaft stellt, ist also wie bereits vor 100 Jahren, eine innovative und zukunftsorientierte Denk- und Handlungsweise zu lehren und zu fördern.
Auch werden von der Universität Projekte, welche sich demonstrativ gegen eine imperiale Lebensweise aussprechen, gefördert. Die M18, das Haus der Studierenden, ist in ihrer Organisation beispielhaft für die Prinzipien einer solidarischen Lebensweise, denn sie verbindet Demokratisierung, Commoning, ReProduktion und Suffizienz (sowie den Versuch zu einer Dependenz, welche durch Umbaumaßnahmen des Campus neu gedacht werden müssen). Diese inneruniversitäre Struktur ist ein besonderer Experimentierraum, in welchem kritischer, fachübergreifender Austausch gemeinsam forciert wird (Bauhaus-Universität, 2019). Dieses „Experiment“ M18 macht deutlich, dass die Studierenden dieser Universität nicht nur in der Lage sind, Prinzipien des Postwachstums anzunehmen und anzuwenden, sondern diese leben und einfordern. Diese eingeforderten Strukturen und Motivation der Studierenden können auch in der Lehre halt finden und dort als Antrieb für innovative Prozesse genutzt werden.

Was braucht es zusätzlich?

Betrachtet man bestehende und vergangene Kursangebote wird deutlich, dass interdisziplinäre Projekte angeboten werden, Studienprofil-spezifische Kurse jedoch die klare Mehrheit haben (Bison, Stand 2020). Trans- und Interdisziplinarität haben das Potential, effizient und konsistent Lösungen anzubieten, da sie nicht nur selektiv, sondern gesamtheitliche Strategien entwickeln (Bauhaus-Universität, 2015). Experimente wie das Haus am Horn haben bereits in der Vergangenheit die Disziplinen verbunden, auch heute sind solche Strategien noch gefragt.

„Soziale, baulich-materielle, ökologische, technologische, künstlerische, gestaltende und mediale Dimensionen greifen immer enger ineinander; dies zeigt sich besonders deutlich im urbanen Raum. Hierbei entstehen zahlreiche neue Schnittstellen, Verschmelzungen und Interaktionen zwischen natürlichen und virtuellen Welten, zwischen Lebewesen und Maschinen –, die neues Bewusstsein, Denken und Handeln positiv ermöglichen, aber auch kritisch erfordern. Problem- und Fragestellungen, vor allem aber die entsprechenden Lösungen brechen mit hergebrachten Grenzen.“ (Bauhaus-Universität, 2019)

Für eine gelungene zukunftsorientierte Zusammenarbeit sind allerdings nicht nur inneruniversitäre Infrastrukturen notwendig. Auch aktuelle und zukünftige industrielle Gegebenheiten sind zu beachten, da während des Studiums fachspezifische Kernkompetenzen erworben werden. Beschränken sich diese Kompetenzen auf Werkstoffe, welche durch Ressourcenknappheit nicht mehr lange verfügbar sind, oder aus ethischen Gründen nicht mehr genutzt werden sollten, so ist das während des Studiums erworbene Können um diese Materialien nicht mehr anwendbar (Gerhardt Matzig, 2019). Für Studierende oder Alumni resultiert daraus ein Nachteil, der vermieden werden kann, indem bereits während des Studiums Probleme und Folgen des Wachstums diskutiert und über Alternativen gesprochen werden.
Auch die Frage nach einer Ethik in den gestalterischen Studiengängen wird bisher in Kursen noch wenig Zeit eingeräumt. Denn es stellt sich nicht nur die Frage, welche Werkstoffe woher, wem welchen Schaden zufügen, sondern auch, welche Produktionsweisen für jene Produkte oder Materialien genutzt werden und welchen Einfluss diese auf ihre Umwelt haben. Studierende mit Strategien auszustatten, welche sie dazu befähigt, kritisch sowohl über die Produktion urteilen zu können, als auch zu reflektieren, welche Rolle gestalterische Arbeit und damit verbunden auch welche Verantwortung bei dem°der Designer°in liegt, wenn er°sie für Unternehmen wirbt. Sich bereits während des Studiums mit ethischen Fragen auseinander zu setzen wäre eine Möglichkeit, die Arbeitsweisen von Betrieben genau zu analysieren und später persönlich differenzieren zu können, welche Betriebe man unterstützen möchte. Dies ist notwendig, da sich die Bauhaus-Universität in einer gesellschaftlichen Verantwortung sieht (Bauhaus-Universität, 2019). Es gilt auch, sich diesen Fragen im Verlauf des Studiums zu stellen, um Studierende bestmöglich auszubilden. Nur so ist es realistisch, die von der Universität geforderte Transformation zu denken und auch umsetzten zu können.

Konkrete Verbesserung

An der Universität gegebene Kurse sollen auf die sich verändernde Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur reagieren (Bauhaus-Universität, 2019). Kurse, welche sich mit den Problemen von endlichem Wachstum auseinandersetzen, leisten Präventivarbeit und agieren richtungsweisend. Lehrende aus anderen Fachrichtungen müssten hinzugezogen werden, um beispielsweise Themen wie Ethik, Wirtschaftssysteme oder auch Ökonomie lehren zu können. Doch auch die Transdisziplinarität der Kurse weiter zu fördern stellt eine strukturelle Herausforderung dar.

Möglichkeiten

Eine Möglichkeit, Lehre zu diesen Themen anbieten zu können, an welchen alle Studierenden und Lehrenden der Universität teilhaben können, sind die zum Wintersemester 2018/2019 eingeführten Bauhaus.Module. Diese sind transdisziplinär angelegte Module, welche nicht nur von Lehrpersonal der Universität gegeben werden können, sondern unter der Aufsicht eines°er Professor°in können auch Studierende, Alumni oder Externe in Kursen ihr Wissen weitergeben (Bauhaus-Universität, 2019). Auch das Öffnen der Lehrstrukturen ist eine Demokratisierung und so bereits strukturell an Degrowth orientiert (I.L.A. Kollektiv, 2019).

Reflexion des Wissenschaftsmoduls „Degrow Design“ als Beispiel

Im Wintersemester 2019/2020 wurde das interdisziplinäre Wissenschaftsmodul „Degrow Design“ im Rahmen der neu an der Universität etablierten Bauhaus.Module durchgeführt. Der Kurs selbst bediente sich, wie die Bauhaus.Module einer Reihe von Prinzipien, welche sich im Postwachstum wiederfinden. Als eine der Lehrenden dieses Kurses werde ich versuchen den Aufbau und Gedanken zu dem Wissenschaftsmodul zu erläutern und anschließend das Ergebnis kritisch zu diskutieren.

Grundstruktur

Die Struktur des Wissenschaftsmoduls „Degrow Design“ orientierte sich bewusst an den Ideen einer solidarischen Lebensweise. Diese sind in dem konkreten Fall als nonhierarchisch, demokratisch und reproduktiv auszumachen.

  1. Non-hierarchisch: Die Lehrenden nehmen das Wisschenschaftsmodul, wie alle anderen auch, als Teilnehmende war. Sie haben keine höhergestellte, autorisierte Position, hieraus ergibt sich Punk Nummer 2.
  2. Basis-Demokratisch: Der Kurs bestimmt sein Format selbst mit, es gibt Abstimmungen beispielsweise über Struktur und Prüfungsleistung.
  3. ReProduktiv: Im Kurs wird ein besonderes Augenmerk auf Beziehungen zwischen den Teilnehmenden gelegt.
  4. Commoning: Vorhandenes Wissen und Material wird geteilt.

Ziele des Wissenschaftsmoduls waren zum einen, das informieren über das Thema Degrowth, als auch das weiterdenken und mögliche Lösungsansätze zu beleuchten. Wichtig war hierbei, niemanden aufgrund seines Wissensstandes auszuschließen. Dieses Vorhaben würde zu einer heterogenen Gruppe führen, die in der Lage wäre, sich gegenseitig zu bereichern aber aufgrund ihres unterschiedlichen Wissensstandes auch eine Herausforderung darstelle[3] (Günter Albrecht, Helmut Ernst, Gisela Westhoff, Manuela Zauritz, 2014). Teilnehmende des Kurses sollten sich gegenseitig durch mitgebrachtes Wissen weiterbilden, aufgrund von Unbefangenheit Fragen stellen, welche zur Diskussion anregen und durch Inputs von uns oder externen Vortragenden Grundwissen aufbauen. Besonders priorisierten wir den Aufbau einer positiven Gruppendynamik, da diese eine Verbesserung der Kommunikation, des Verständnisses für die Position des Anderen, und eine Stärkung der gegenseitigen Unterstützung mit sich bringt (Friedemann Nerdinger, Gerhard Blickle, Niclas Schaper, 2011) welche besonders für das angedachte demokratische Format und den damit einhergehenden Gruppendiskussionen eine Bereicherung darstellen würde. Diese Gruppendynamik sollte mit entsprechenden Methoden gefördert werden; Wir entschieden uns für das Einbringen gruppendynamischer Spiele, da eine Voraussetzung von Gruppenentwicklung das verfolgen gemeinsamer Ziele darstellt (Peter R. Wellhöfer, 2018), auch Methoden aus der non-formalen Bildungsarbeit sollten mit eingebunden werden. Um all diese Ziele gut erreichen zu können legten wir eine Teilnehmerzahl von 15 Personen fest.

Ablauf

Der Aufbau des Wissenschaftsmoduls teilte sich in drei Teile, welche auch zeitlich das Semester drittelten.

  1. Was ist Degrowth? → eine theoretische Beschäftigung mit Konzepten von Degrowth
  2. Was hat das mit Design zu tun? → Design in einer kapitalistischen Marktlogik
  3. Überwindungsstrategien → erforschen und diskutieren von Alternativen

Inhaltlich sollten Vorträge und Workshops von extern Lehrenden (und Wissen von Kursteilnehmern) in jedem Drittel des Kurses bereichern. Vor Beginn des Semesters kontaktierten wir entsprechende Personen:

  1. Jun. Prof. Jan Willmann – Einführung in die Geschichte des Designs und Ausblick
  2. Lynn Harles – Design for good, neue Perspektiven für die Designdisziplin im Kontext ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit
  3. Anton Brokow-Loga (I.L.A. Kollektiv) – Gutes Leben für Alle, Produktion in der Solidarischen Lebensweise
  4. Anette Schlemm (Commons Institut) – Commoning als Überwindungsstrategie Diese Gastbeiträge hatten zum Ziel, fundiertes Fachwissen zu den entsprechenden Bereichen zu vermitteln, Kursteilnehmende auf einen ähnlichen Wissensstand zu bringen sowie Wissen aus diversen Fachbereichen und Institutionen zu verbinden.

Umsetzung

Die Anmeldungen zu dem Wissenschaftsmodul „Degrow Design“ überschritten die angesetzte Teilnehmerzahl von 15 Personen um das Vierfachefache, mit 64 (zudem weitere 10 die sich nicht anmelden konnten und spontan kamen) Anmeldungen. Aufgrund der massiven Nachfrage entschieden wir uns, die Gruppenstärke zu verdoppeln. Um die Gruppe so transdisziplinär wie möglich zu gestalten, achteten wir bei der Auswahl darauf, Teilnehmende quotiert zuzulassen, um eine Diversität der Studiengänge aktiv herbei zu führen. Die Kursteilnehmenden brachten wie erwartet unterschiedliches Vorwissen zu den Themen Degrowth und Design mit und hatten zudem fachspezifische Kenntnisse. Teilnehmende teilten ihr Wissen im Laufe des Semesters aktiv in kleine Workshop-Formaten und Inputs, sowie in Diskussionen mit der restlichen Gruppe. Die Lehrenden agierten als Rahmengebende um auf einer Ebene mit den Teilnehmenden zu kommunizieren. An jedem Kurstag wurde versucht, dir Gruppe durch Gemeinschaftsspiele und/oder durch Methoden der Bildungsarbeit beim Verstehen von komplexen Zusammenhängen zu unterstützen und die Gruppendynamik zu festigen. Externe Lehrende wurden häufig in diese Prozesse eingebunden, um auch hier eine nonhierarchische Struktur zwischen Lehrenden und Lernenden zu etablieren. Als Prüfungsleistung wurde eine Publikation mit von den Kursteilnehmenden erarbeiteten wissenschaftlichen und zusätzlichen freieren Texten zum Thema „Design und Degrowth“ festgelegt.

Ergebnisse

Die hohen Anmeldezahlen des Wissenschaftsmoduls bestätigen die Annahmen, dass Studierende der Bauhaus-Universität Weimar ein deutliches Interesse an dem Thema Postwachstum und der Verbindung zu ihrer Fachdisziplin im Designbereich haben. Im Kurs wurde deutlich, dass viele Studierende sich ihrer Verantwortung in der Gesellschaft bewusst sind, doch besteht Verunsicherung, wie mit dieser Verantwortung umgegangen werden sollte. Welche Konsequenzen daraus (bezüglich ethischen Entscheidungen, Umgang mit Werkstoffen während des Studiums und der Frage, wie man nach dem Studium in seiner Disziplin arbeiten kann, ohne das kapitalistische System zu befeuern,)[4] zu ziehen sind, war eine Frage, auf welche wir keine konsensuale Antwort in der Gruppe finden konnten. [5] Studierende bekamen jedoch die Möglichkeit, sich über die Grenzen ihres Studiengangs hinweg mit Best Practice Beispielen, dem aktuellen Stand der Wissenschaft, und der Wirtschaft zu informieren, zu diskutieren, sich auszutauschen und ein eigenes, reflexives Fazit daraus zu ziehen.

Fazit

Um ein gutes Leben für alle zu gewährleisten, muss sich viel verändern. Wirtschaft muss neu gedacht, Umwelt und Klimaschutz zur Priorität erklärt werden. Die Gesellschaft wird mit gewohnten Verhaltensmustern brechen müssen, um diese Ziele zu erreichen. Das ist Aufgabe eines jeden Einzelnen, doch ist das eine zu große Verantwortung, um sie dem Individuum allein zu Überlassen. Auch die Politik und übergeordnete Institutionen wie Schulen und Universitäten sind in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten. Die Bauhaus-Universität Weimar hat dafür die idealen Voraussetzungen. Auf die Frage, wieso gerade im Jahr 2019, in dem Millionen Menschen für das Klima streiken, die Nachhaltigkeit aus dem Modulkatalog der nachhaltigen Produktkulturen gestrichen wurde, bekam ich die Antwort, dass gutes Design immer innovativ und nachhaltig ist. Ob das Wort nun im Modulkatalog des Produktdesigns steht oder nicht ist irrelevant, wenn man bedenkt, dass sich die Bauhaus-Universität im Strategiepapier 2015 offen zu ihrer Verantwortung in der Gesellschaft bekennt. Diese Verantwortung wandelt sich mit jeder gesellschaftlichen Herausforderung. Den Lehrenden, wie auch den Studierenden scheint ihre ganz persönliche Verantwortung bewusst, doch wäre es wichtig, sich dieser Verantwortung nicht allein stellen zu müssen. Gemeinsam, interdisziplinär und innovativ sind wir in der Lage, umfassende Prozesse zu denken und umzusetzen. Eine entsprechende Lehre zu den einzelnen Aspekten der Transformation, hin zu einer Postwachstumsgesellschaft ist in der Lage, diese Prozesse in die Wege zu leiten und zu Koordinieren. Sie könnte revolutionieren oder einfach ihren Beitrag dazu leisten, die Welt ein bisschen besser zu machen. Ende 2019 hat sich die Bauhaus-Universität dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2025 CO2 neutral zu sein, eine Transformation hat also vielleicht bereits begonnen.

Quellen

Artikel:

Die Tagesschau (2019). Millionen fürs Klima. Tagesschau, 20.September 2019. https://www.tagesschau.de/inland/klimastreiks-friday-for-future-105.html

Spiegel Wirtschaft (2020). 2019 war das wärmste Jahr in Europa. Spiegel. https://www.spiegel.de/wissenschaft/europa-2019-war-das-waermste-jahr-a-f3961c6e-b8f2-4811-90b0-5c0dcf0f8d39

Anne Haeming (2019). Eine bessere Welt ausarbeiten. Spiegel. https://www.spiegel.de/stil/social-design-eine-bessere-welt-ist-machbar-a-1247417.html.

US Global Research Programm (2018). The Fourth National Climate Assessment. Volume II.

Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung e.V., (2013). Gesellschaftliche Verantwortung an Hochschulen, S. 4-9.

Bauhaus-Universität Weimar (2019). Studienentwicklungsplan 2025.

Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung e.V., (2013). Gesellschaftliche Verantwortung an Hochschulen, S. 4-9.

Günter Albrecht, Helmut Ernst, Gisela Westhoff, Manuela Zauritz (2014). Bildungskonzepte für heterogene Gruppen. BiBB. https://www.bibb.de/dokumente/pdf/a33_kompendium_modellversuch_barrierefrei.pdf

jun. Prof. Jan Willmann (2019). Sitzung des Senats am 05.06.2019. Bauhaus-Universität Weimar

Horst W. Opaschowski, (2001) Die Westliche Kultur auf dem Prüfstand. BPB https://www.bpb.de/apuz/25804/die-westliche-wertekultur-auf-dem-pruefstand

Web:

Frederic Rudolph. (2013). Bundeszentrale für Politische Bildung. 13.02.2020, from https://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/klimawandel/38479/betroffene

Robert Misik. (2015). Bundeszentrale für Politische Bildung. 12.02.2020, from https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/kulturelle-bildung/199047/lifestyle-kapitalismus?p=all

Claudia Kemfert. (2007). Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. 12.02.2020, from https://www.diw.de/documents/ publikationen/73/diw_01.c.55814.de/07-11-1.pdf

United Nations Environment Programme. (2009). The Role of natural Ressources and the Environment. UN Environment Programm. 09.02.2020, from https://www.unenvironment.org/pdf/pcdmb_policy_01.pdf

Bauhaus-Universität, Lucius Burkhard (2019, 1993). Eröffnungsrede des Gründungsdekans der Fakultät Kunst und Gestaltung Lucius Burkhard. 14.02.2020 from https://www.uni-weimar.de/de/kunst-und-gestaltung/profil/eroeffnungsrede-des-gruendungsdekans/

Bison Bauhaus-Universität (2020). Veranstaltungsverzeichnis. 15.02.2020, from https://www.uni-weimar.de/qisserver/rds?state=wtree&search=1&category=veranstaltung.browse&topitem=lectures&subitem=lectureindex&breadcrumb=lectureindex

Bauhaus-Universität. (2019). Bauhaus.Module. 12.02.2020, from https://www.uni-weimar.de/bauhausmodule/faq/bauhausmodule/.

Kahrlsruher Institut für Technologie. (unbekannt). Personalentwicklung/Hochschuldidaktik. 11.02.2020, from https://www.peba.kit.edu/downloads/Buzz-Groups.pdf

Book:

I.L.A. Kollektiv (2016). Auf Kosten Anderer. Oekom Verlag.

I.L.A. Kollektiv (2019). Ein gutes Leben für Alle. Oekom Verlag.

Friedemann Nerdinger & Gerhard Blickle& Niclas Schaper, (2011). Arbeits- und Organisationspsychologie .Springer.

Peter R. Wellhöfer, (2018). Gruppendynamik und soziales Lernen: Theorie und Praxis der Arbeit mit Gruppen.UTB