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Glossar

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Diskurs (≠ Diskussion ≠ Debatte)

Diskurs meint die (gesellschaftliche) Abhandlung eines gewisses Themas. (Duden 2020) Der Diskurs nach Foucault ist eine Ordnung von Aussagen die zu einem bestimmten Zeitpunkt den (Deutungs-)Raum bestimmen. (Freie Universität Berlin 2020) „Demnach sind Diskurse eine Menge von Aussagen, die demselben Formationsgebiet zugehören (z.B. der Klinik, der Psychiatrie, der Sexualwissenschaft oder der Ökonomie). Diese Aussagen produzieren auf geregelte Weise soziale Gegenstände wie Wahrheit, Realität und Normalität bzw. Wahnsinn, Lüge und Abweichung, sowie die ihnen entsprechenden Subjektivitäten.“ (Freie Universität Berlin 2020)

Nachhaltigkeit

„Das in der Forstwirtschaft seit Jahrhunderten angewandte Prinzip der Nachhaltigkeit ist als Art und Weise des Wirtschaftens zu bezeichnen, bei welcher derzeitige Bedürfnisse befriedigt werden, ohne zukünftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu entziehen (Sustainable Development). Kennzeichnung durch langfristig orientiertes Denken und Handeln, um ein Fließgleichgewicht der natürlichen Ressourcen zu erreichen.“ (Specht)

Kapitalismus

„Im Kapitalismus ist der Großteil des sozialen Miteinanders durch das Marktprinzip definiert. Die Produktionsmittel sind in den Händen weniger konzentriert, was den Großteil der Menschen zur Arbeit verpflichtet. Konkurrenz und Profitmaximierung führen zu wachsender und sich global ausdehnender Ausbeutung von Mensch und Natur.“ (I.L.A Kollektiv 2019:104)

Degrowth

„oder Postwachstum ist eine Bewegung, die sich gegen die Wachstumslogik des ‚‘Kapitalismus‘‘ und für ein ‚‘suffizientes‘‘, ‚‘nachhaltiges‘‘ Wirtschaften und Leben einsetzt.“ (I.L.A Kollektiv 2019:103) * „Scheinlösungen“

Suffizienz

„Suffizienz ist eines der Grunprinzipiender solidarischen Lebensweise. Statt auf ‚‘Wachstumslogik und ‚‘Effizienz ‚‘zu setzen, unterstützt sie einen Zustand, in dem alle Menschen genug für ein ‚‘Gutes Leben ‚‘zur Verfügung haben können, ohne diesen verbessern zu müssen oder zu wollen. Dies geschieht durch einen anderen Blick auf Besitz und weniger Ressourcenaufwand, durch Teilen, Wiederverwertung oder Verzicht.“ (I.L.A Kollektiv 2019:106)

Effizienz

„Effizienz beschreibt das optimale Verhältnis von Input und Output.“ (I.L.A Kollektiv 2019:103) Einen Prozess effizienter zu gestalten, bedeutet entweder den nötigen Input (Einsatz von Ressourcen) für dasselbe Ergebnis (Output) zu verringern, oder bei derselben Menge eingestzter Ressourcen (Input) das Ergebnis (Output) zu vergrößern. Es geht dabei v.a. um die Quantität, also bspw. die Reduzierung der Menge benötigter Rohstoffe oder der verursachten Umweltschäden/ausgestoßenen Schadstoffe in einem Produktionsprozess. „Dies kann zum Schutz von Ressourcen, Suffizienz und nachhaltiger Produktion beitragen. In der neoklassischen Wirtschaftstheorie bedeutet Effizienz häufig, dass möglichst wenig Zeit, Geld und Ressourcen für die Produktion eines Gutes verwandt wird. Dabei werden soziale und ökologische Kosten meistens außen vorgelassen. Das führt häufig zu einem Effizienzdruck, was bedeutet, dass Zeit, Geld oder Ressurcen so sehr gekürzt werden sollen, dass dabei soziale und ökologische Schäden entstehen.“ (I.L.A Kollektiv 2019:103)

Konsistenz

Kosistenz will „anders“, Effizienz „besser“, Suffizienz „weniger“ produzieren. „In den Konsistenz-Strategien geht es um die Vereinbarkeit von Natur und Technik. Alternativ wird auch der Begriff Ökoeffektivität benutzt. Die Idee dahinter lautet: In intelligenten Systemen gibt es keine Abfälle, nur Produkte.“ (Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V.; Fairbindung e.V. 2016:58ff.)

Rebound-Effekte

„Reboundeffekte bezeichnen das Phänomen, dass der absolute Energie- und Ressourcenverbrauch nicht abnimmt, obwohl Produktion, Koordination und Logistik energiesparender werden. Das kann beispielsweise daran liegen, dass eine effizientere Produktion Güter günstiger macht und diese deswegen insgesamt mehr konsumiert werden.“ (I.L.A Kollektiv 2019:105)* Ressourcen (gemeint sind Energie, Rohstoffe, menschliche Arbeitskraft, …)

Externalisierung

„Externalisierung bedeutet, dass bestimmte monetäre, soziale oder ökologische Kosten einer Dienstleistung oder eines Gutes nicht von den Konsument*innen getragen werden, sondern von einer anderen gesellschaftlichen Gruppe oder Natur. Häufig im Globalen Süden [Raum] oder in der Zukunft [Zeit].“ (I.L.A Kollektiv 2019:103)

Imperiale Lebensweise

„Das Konzept der imperialen Lebensweise beschreibt Lebens- und Produktionsweisen, die [] Ausbeutungsstrukturen schaffen und erhalten.“ (I.L.A Kollektiv 2019:102) „Ausbeutung bedeutet, dass eine Person oder eine Personengruppe auf Kosten anderer Personen oder Personengruppen lebt. Dabei sorgen häufig Ausbeutungsstrukturen dafür, dass sich die ausgebeuteten Personen nicht auf demokratische Rechte berufen können und durch soziale, politische und wirtschaftliche Umstände dazu gezwungen sind, sich den Strukturen zu beugen.“ (I.L.A Kollektiv 2019:102)

Globaler Süden

„Globaler Süden beschreibt Länder und Orte in einer im globalen System benachteiligten gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Position. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte, privilegierte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung – einmal als Ausgebeutete und einmal als Profitierende. Die Einteilung in Süd und Nord ist zwar auch geographisch gedacht, aber nicht ausschließlich. Mit dem Begriffspaar wird versucht, unterschiedliche Positionen in einem globalen Kontext zu benennen, ohne dabei wertende Beschreibungen wie zum Beispiel „entwickelt“, „Enwicklungsländer“ oder „Dritte Welt“ zu benutzen.“ (I.L.A Kollektiv 2019:103)

Reale Utopien

„Reale Utopien sind alternative Projekte, in denen die ‚‘solidarische Lebensweise ‚‘begonnen, ausprobiert und um ihre Ausweitung gekämpft wird. Sie entstehen innerhalb der ‚‘imperialen Lebensweise. ‚‘In diesen Projekten werden neue Alternativen gedacht, neue Wege erlebt und verschiedene gesellschaftliche Gruppen finden ihre Vorstellungen wieder.“ (I.L.A Kollektiv 2019:105)

Commons

„Commons sind eines der Grunprinzipien der solidarischen Lebensweise. Commons sind materielle und soziale Güter, Dienstleistungen und Ressourcen, die Menschen zum Leben brauchen und die ge meinschaftlich erzeugt, erhalten und genutzt werden. Dieser Prozess nennt sich Commoning (Gemeinschaffen). Commons gehören nicht einem Menschen als Privateigentum, sondern stehen allen Menschen gleichberechtigt zur Verfügung.“ (I.L.A Kollektiv 2019:102)

Kreislaufwirtschaft

„Kreislaufwirtschaft ist eine sich regenerierende Art der Produktion. Anders als ein immer neu beginnender, linearer Prozess endet eine Kreislaufwirtschaft nicht. Ihr Endprodukt, freigesetzte Energie oder etwaige ‚Abfälle‘ werden wieder in den Kreislauf eingespeist und weiter genutzt. Ein Beispiel ist Permakultur.“ (I.L.A Kollektiv 2019:103)

Quellen

(01) Specht, Dieter (BTU Cottbus): „Nachhaltigkeit.“ Hg. v. Gabler Wirtschaftslexikon. Das Wissen der Experten. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. Online verfügbar unter URL: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/nachhaltigkeit-41203. Zuletzt geprüft: 10.02.2020 16:43.

(02) Duden | Diskurs | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Online verfügbar unter https://www.duden.de/rechtschreibung/Diskurs, zuletzt geprüft am 10.02.2020.

(03) Freie Universität Berlin, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften (2013): Diskurs. Online verfügbar unter https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/glossar/diskurs.html, zuletzt aktualisiert am 04.03.2013, zuletzt geprüft am 10.02.2020.

(04) I.L.A. Kollektiv; Gesellschaft für Ökologische Kommunikation mbH (2019): Das gute Leben für alle. Wege in die solidarische Lebensweise. München: oekom.

(05) Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V.; Fairbindung e.V. (2016): ‚‘Endlich Wachstum‘‘.